Die letzte Fernreise meines Sabbatjahres führt mich zuerst einmal nach Brasilien. Der Gitarrist meiner ehemaligen Band "Sick Boys" (ca. 1998 - 2000) Marko wohnt seit Jahrzehnten in Florianópolis. Oli aus Berlin wird mich begleiten. Eigentlich wollten wir uns dort Motorräder mieten und rumdüsen. Irgendwie war es aber nicht möglich, 2 Motorräder zu finden, also haben wir uns jetzt dekadent für ein Wohnmobil entschieden. Wenn Olis und Markos Urlaub nach 2 Wochen vorbei ist, werde ich mich über Uruguay auf den Weg nach Buenos Aires machen, von wo ich zurück fliegen werde.
20.3.2026 Berlin - Amsterdam - Rio de Janeiro - Florianópolis 🇧🇷
2:50 morgens bin ich in Köpenick in den Nachtbus gestiegen und nach 2 Umstiegen in Amsterdam und Rio de Janeiro sind wir ziemlich genau 24 Stunden später in Florianópolis angekommen. Ortszeit war das 22:50. Dabei habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den Äquator überquert.
Marko hat uns vom Flughafen abgeholt und in einer Bar bei 2 Bier noch einigen Einheimischen vorgestellt. Es ist mal wieder sehr von Vorteil, sich nicht selbst kümmern zu müssen, wie man vom Flughafen weg kommt und wo man dann unterkommt. Und gleich Anschluss an die örtliche Szene zu bekommen.
Während ich bei der Ankunft in Marokko und Indien jeweils einen ordentlichen Kulturschock erlitten hatte, fühlt es sich auf den ersten Eindruck hier alles gar nicht so anders an, als in Europa. Allerdings scheint die Sprachbarriere höher zu sein. Da fast alle anderen Touris portugiesisch oder spanisch sprechen, spricht kaum ein:e Einheimische:r englisch 😐.
Irgendwie habe ich das Kunststück fertig gebracht, meine einzige Jacke, die ich mit habe, auf dem kurzen Weg vom Flughafen zur Wohnung zu verlieren. Wahrscheinlich sogar schon bevor ich ins Auto gestiegen bin. Aber wahrscheinlich werde ich die nächsten 5 Wochen auch keine Jacke benötigen, hoffe ich mal.
21.3 2026 Florianópolis - Curitiba
Nachdem wir örtliche SIM Karten gekauft hatten, haben wir den gemieteten Camper abgeholt und uns auf den 300 km langen Weg nach Curitiba zur Party zum 40. Geburtstag von Kenya gemacht. Auch hier muss 22:00 Schluss sein mit lauter Musik, aber in der Innenstadt war in Bars noch viel los auf den Samstag Abend.
Es war mal wieder mega cool, durch Marko gleich mega viele Kontakte zu haben.
Leute, die andere Sprachen, als portugiesisch oder spanisch sprechen, haben wird allerdings wieder kaum getroffen. Also muss ich eine der beiden Sprachen (oder eine Mischung aus beiden) in den nächsten Wochen wohl noch lernen.
Was außerdem noch auffällt: genauso, wie in Indien sind hier elektrische Autos der chinesischen Marke "Build your dream (BYD)" sehr verbreitet, trotzdem Benzin viel preiswerter ist, als in Deutschland.
22.3.2026 Curitiba - Camping Wasserfall Salto São Jorge
Nach einem üppigen Hotel-Frühstück haben wir das Wohnmobil vom bewachten Parkplatz geholt, noch ein bisschen Sightseeing in Curitiba gemacht und sind ca. 130 km in den "Campos Gerais" Nationalparks auf einen schnuckeligen Campingplatz an einem kleinen Fluss gefahren, auf dem wir fast alleine waren.
Eigentlich fühlt es sich nicht viel anders an, als in Europa, aber es ist deutlich wärmer und nachts sieht man andere Sternbilder.
23.3.2026 Salto São Jorge - Nationalpark Vila Velha - Prudentópolis
Nach dem wach werden sind wir zum 500 m entfernten Wasserfall gelaufen und waren im Fluss baden. Dann haben wir nach 3 Tagen endlich mal SIM Karten aktiviert und sind zum Nationalpark "Vila Velha" gefahren, wo es crazy Sandsteinformationen zu bewundern gab.
24.3.2026 Prudentópolis - Foz do Igaçu
Zum wach werden habe ich erstmal im Pool des Campingplatzes ein Bad genommen. Im nahen
Prudentópolis stammen mehr als 80 % der Bevölkerung von Ukrainern ab, die 1896 hierher einwanderten. Die Stadt haben wir noch kurz angeschaut und den Rest des Tages dann auf der Bundesstraße
BR 277 verbracht und 444 km abgespult, wofür man hier über 6 Stunden reine Fahrzeit benötigt. Jetzt sind wir im Dreiländereck Brasilien - Argentinien - Paraguay. Mit dem Mietwagen dürfen wir leider nicht rüber, aber vielleicht machen wir mal zu Fuß einen oder zwei Abstecher.
25.3.2026 Igaçu Wasserfälle
Ja, wat soll ich sagen? Einfach imposant. Mega krass, unbeschreiblich. Wasserfälle über mehrere hundert Meter Breite. Hat sich auf jeden Fall voll gelohnt, hier her zu kommen.
26.3.2026 Foz do Igaçu 🇧🇷 - Itaipu Binational 🇧🇷🇵🇾 - Ciudad del Este 🇵🇾
Oli hat morgens noch einen Hubschrauberflug über die Wasserfälle gemacht.
Danach sind wir zum binationalen Wasserkraftwerk Itaipu gefahren. "Mit einer Nennleistung von 14 GW war das Kraftwerk bis zur Fertigstellung der Drei-Schluchten-Talsperre in der Volksrepublik China im Jahr 2006 das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Welt. Aufgrund der hohen Auslastung der Turbinen lag Itaipu bei der Jahresenergieproduktion auch nach 2006 meist an erster Stelle", sagt
Wikipedia. Abgesehen davon, dass wir das ganze auch von innen bewundern durften, haben wir dabei bereits die Grenze zu Paraguay unzählige Male überquert, da sich das Kraftwerk direkt auf der Grenze befindet. Danach sind wir dann noch einmal für 'ne Stunde offiziell nach Ciudad del Este auf paraguyanischer Seite eingereist. Innerhalb der letzten 12 Monaten ist dies das 27. Land, welches ich besucht habe.
27.3.2026 Foz do Igaçu - Morro Divisor dos Ventos
Heute haben wir den ganzen Tag Strecke mit Auto gemacht. Vielleicht 350 km mit fast 6 Stunden reiner Fahrzeit. Da wir nicht vor 12:00 los kommen und 18:30 die Sonne unter geht, wird's nicht mehr. Zum dritten Mal von 5 Fahrtagen haben wir es mal wieder nicht geschafft, vor Einbruch der Dunkelheit einen Stellplatz zu finden 🙄. Ein extra für uns aus Florianópolis geliefertes frisches Bierfass mussten wir schließlich auch noch unterwegs einsammeln.
Langsam geht es jetzt im großen Bogen wieder zurück in Richtung Küste.
28.3.2026 Morro Divisor dos Ventos - Treize Tílias - Herval d'Oeste Camping Scoppel
Da wir gestern zeitig im Bett waren, war ich heute rechtzeitig vor Sonnenaufgang wach und habe mir diesen nach einer kurzen aber steilen Wanderung oben auf dem nahen 1100 m hohen Berg angeschaut. Tatsächlich haben wir es heute wirklich geschafft, schon 8:30 zu starten.
Treize Tílias ist ein komplett Tiroler Ort mitten in Brasilien. Inklusive Schnitzel-Restaurant, österreichischen Brauereien und Molkereien usw. Irgendwie strange. Ich stelle mir gerade vor, es gäbe in Deutschland einen Ort, der z.b. komplett türkisch wäre.
50 km weiter sind wir dann tatsächlich mal im Hellen auf einem Campingplatz angekommen, der bei Google Top-Bewertungen im Bezug auf Party hat. Für eine ruhige Samstagnacht natürlich ideal. Nicht.
Aber trotzdem schön am Fluss.
29.3.2026 Herval d'Oeste - Urubici
7:00 sind wir wieder aufgestanden und waren dann Punkt 9:00 "on the road". Bei den leeren Straßen in der Gegend und auf'n Sonntag steuere ich auch mal die ersten 100 km das Wohnmobil. Bevor es wieder an die Küste geht, bleiben wir heute in den Bergen bei Urubici, die bei Bikern sehr beliebt sind.
2 Stunden Starkregen überbrücken wir dann an einer stylischen Biker-Raststätte und gleich um die Ecke gibt es auch einen für unsere Verhältnisse luxuriösen Campingplatz.
30.3.2026 Urubici - Furna do Rio do Bispo
Nachdem der gestrige Abend mal wieder lang war, haben wir den Tag heute ruhig angehen lassen. 13:00 haben wir uns einen Buggy geliehen und sind damit 1 Stunde über Stock und Stein gedüst. Vorher haben wir noch 1 Stunde Starkregen abgewartet und es sollte nicht der letzte heute sein. Deswegen haben wir den Ausflug zum Corvo Branco Durchbruch auf morgen verschoben und sind direkt zum nächsten süßen Campingplatz direkt am Fluss Rio do Bispo.
31.3.2026 Furna do Rio do Bispo - Praia do Cedro
Nachdem der Regen irgendwann aufgehört hatte, sind wir noch ein bisschen in der wilden Natur rumspaziert, zum Corvo Branco Durchbruch und zur Grotte Nossa Senhora do Lurdes gefahren und haben in Urubici ein All-you-can-eat Mittag gegessen.
Weil wir morgen mittag das Wohnmobil wieder abgeben müssen, wollten wir kurz vor Florianópolis campen, aber mal wieder hatten mehrere angesteuerte Campingplätze geschlossen 🙄. Also mussten wir wie so oft im Dunkeln weiter fahren, bis an eine Bucht des Atlantik.
1.4.2026 Praia do Cedro - Florianópolis
Da uns der Sonnenaufgang über der Bucht so schmackhaft gemacht wurde, sind wir tatsächlich 6:00 aufgestanden und ich bin direkt mit dem SUP gefahren und war baden. Frühstücken, Wohnmobil aufräumen, säubern, tanken und zurück zum Vermieter bringen. 2250 km sind wir in 11 Tagen insgesamt rum gefahren.
Bei der Rückgabe der Zapfanlage sind wir noch auf eine Besichtigung der Bertol Brauerei inkl. Verkostung morgens halb 11:00 eingeladen worden.
Mittags haben Oli und ich unsere Gästewohnung direkt 2 Häuser neben Marko bezogen.
Nach einem Mittagsschlaf sind wir am Strand entlang zur
Bertol Craft Beer Bar gelaufen, wo wir mit mehreren Leuten verabredet waren, von denen einige sogar ein paar Brocken englisch sprechen. Unter anderem habe ich Dudu, den Drummer von
Zoidz und den Drummer der Crust Band
Söödio getroffen, der im Hauptjob für ein Orchester trommelt.
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