Mittwoch, 24. Juni 2026

Mit Kanu 🛶 und Rad 🚵 durch Mitteleuropa 🇨🇿 🇦🇹 🇸🇮 🇭🇷 🇭🇺 🇸🇰 - Juni 2026

Na gut, eine Reise hab ich dann doch noch (oder vielleicht auch noch 1-2 mehr). 
Eigentlich wollte ich jetzt den Rest meines Sabbaticals bis August 2026 nur noch relativ kurze Wochen-Tripps machen. Zum Beispiel eine Kanutour auf dem Oberlauf der Moldau von Vyšší Brod am Lipno Stausee bis kurz vor České Budějovice/Budweis mit Freunden, an der ich sonst nicht teilnehmen kann, weil ich im Juni normalerweise keinen Urlaub bekomme. 2 Wochen später wollte ich in der Nähe in Tábor beim Mighty Sounds Festival sein. Da meine inzwischen 17- und 18- jährigen Kids in der Zeit gut versorgt sind, stellt sich die Frage, wozu ich dazwischen eigentlich zurück nach Berlin fahren sollte. Also kam die Idee auf, direkt im Anschluss an die Kanutour noch eine "kleine" Fahrradtour zu machen. Der Alpen-Adria-Radweg von Salzburg nach Süden steht sowieso auf meiner To-do-Liste. Und von dort könnte ich im großen Bogen vielleicht noch ein paar Länderpunkte in Slowenien, Kroatien, Ungarn und der Slowakei sammeln. Mal schauen, wie weit ich komme. In fast allen genannten Ländern ist Zug fahren (auch inkl. Fahrrad) unkompliziert und preiswert und daher eine Option für mich, um voran zu kommen. 
Eine "wunderschöne" Playlist passend zur Reise habe ich unterwegs erstellt, die man nebenbei hören kann, wenn man sich hier durch liest: https://open.spotify.com/playlist/2BB8ivZ13d9gNfFIHryTnX 

4.6.2026 Berlin - Železná rudá 🇨🇿 🚂
Fast 6 Wochen war ich jetzt am Stück in Berlin. Das kam mir wirklich lange vor. 4:30 ging es dann endlich wieder los auf "Rad"-reise, erstmal mit etlichen Regionalzügen nach Bayerisch Eisenstein, direkt an der tschechischen Grenze.
Alle Züge habe ich, wie geplant bekommen. Davon, dass heute in Bayern und Sachsen Feiertag (Fronleichnam) war, habe ich nix mitbekommen. Jedenfalls waren die Züge dadurch nicht mit mehr Fahrrädern überfüllt. Nach 11 Stunden mit 7 x umsteigen bin ich mit 5 Minuten Verspätung am Ende der Welt in Lam/Bayern angekommen. Da auf der eigentlichen Strecke nach Bayerisch Eisenstein 17 km Schienenersatzverkehr war, dachte ich, ich könnte von Lam irgendwie Zeit sparen. Allerdings ging es erst mal 7 km lang 7% bergauf 🥵 und die Zeitersparnis war dann weg. Ich glaube, ich plane die nächsten Etappen gleich mal um, mit weniger Höhenmetern.
19:30 war ich dann auf dem anvisierten Campingplatz, aber sowohl Rezeption, als auch Buffet hatten schon zu 😒. Eine Duschmarke hab ich freundlicherweise von Bikern bekommen und 1 km entfernt gab es noch einen Lebensmittelladen, zu dem ich kurzerhand dann nochmal los gefahren bin.  

5.6.2026 Železná ruda - Protivín 🚲 100 km 
Beim Suchen nach einer flacheren Strecke habe ich entdeckt, dass ich theoretisch über 3 Flußradwege entlang der Otava, Blanice und Moldau nach Český Krumlov komme.
10:00 ging es los und meist entlang des Flusses auf guten Radwegen und kleinen Straßen, teilweise aber auch auf schmalen matschigen Waldwegen aber jedenfalls mit wenig Steigungen. Ziemlich genau 100 km sind es heute geworden und 70 bleiben noch für morgen übrig.  

6.6.2026 Protivín - Český Krumlov 🚲 68,5 km
7:00 war ich schon wach und saß 8:00 auf dem Rad.
Aber erstmal ging es zum nahegelegenen Lebensmittelmarkt, Frühstück kaufen, um genug Energie für den ersten von drei steilen Anstiegen zu haben. Nach 25 km erreichte ich die Moldau, an der es dann die restlichen Zeit entlang ging und Punkt 14:00 war ich pünktlich in Český Krumlov, wo ich mit den anderen 5 Kanuten aus Berlin verabredet war. 

7.6.2026 Český Krumlov - Vyšší Brod 🚲 31 km - Rožmberk 🛶 11 km
Aus irgendwelchen Gründen war unser Quartier nicht am Startplatz der Kanutour oder noch besser, am Endplatz der heutigen Etappe. Dann hätte man ohne Gepäck fahren können und sich ein mal "umziehen" gespart. 
So ging es nach dem Frühstück noch einmal für 31 km auf's Rad. Mein Gepäck habe ich aber dekadent vom Auto transportieren lassen. 
Um die Autofahrer nicht zu nerven geht der offizielle Moldauradweg / Eurovelo 7 durch's hügelige Hinterland. Ich habe mich aber doch entschieden, lieber auf der Straße direkt am Ufer zu fahren. Erstens ist es viel schöner und außerdem spart das Höhenmeter ohne Ende. Zudem konnte ich so schon mal auskundschaften, wie es die nächsten Tage auf dem Wasser aussehen wird.
In Vyšší Brod wird mein Fahrrad jetzt 6 Nächte schlafen und ich steige auf Kanu bzw. Schlauchboot um. 
Punkt 12:00 ging es auf's Wasser. 13:00 war bereits die erste Bierpause beim zweiten Imbiss. Bei 11 km und 2 Stunden Bewegungszeit wurden insgesamt 3 Verpflegungspausen eingelegt und 17:00 erreichten wir den Campingplatz in Rožmberk. Lustige Stromschnellen und drei durchbrochene Wehre gab es auch unterwegs.
Die Kanu-Infrastruktur ist in Tschechien einfach unglaublich. An jedem der zahlreichen Flüsse (Moldau, Sazava, Berounka, Ohře/Eger, Otava, Lužnice, ...) existieren unzählige Verleiher (z.b. AdaInge, Bisport), die Kanus und Schlauchboote zu etlichen Punkten am Fluss liefern und stromabwärts wieder abholen. Alle paar Kilometer gibt es Imbisse und Zeltplätze an den Flüssen. Kanu fahren ist hier Volkssport. 

8.6.2026 Rožmberk- U Pískárně 🛶 14 km
Bestes Wetter, durchgehend 3 km/h Strömung, 3 Bierpausen, davon eine an einem Bierboot, 2 Badepausen. Im Vergleich zum Wochenende war heute sehr wenig los. Mehr gibt's nicht zu berichten. 
Ok, der Wasserstand ist jetzt schon ziemlich niedrig. In wenigen Wochen sind bestimmt einige Strecken auf den angepriesenen Flüssen wegen zu wenig Wasser nicht mehr fahrbar. 

9.6.2026 Na Pískárně - Český Krumlov 🛶 13 km
Wir hatten wieder gut Strömung und fabelhafte Natur, aber komischerweise sind heute viel mehr Kanuten unterwegs. Dadurch gab es an einigen der 6 Wehre richtige Staus. In Krumlov wurde eine Brücke gebaut, dadurch war dort der Fluss gesperrt und wir mussten dort einige 100 Meter umtragen 🙄🥴🥵. 
Ansonsten konnte man aber alle Wehre durch die Floßgasse runter rutschen, was irgendwie der lustigste Teil der Touren ist. Oft kann man am Fuße der Wehre die eine oder andere Kenterung beobachten (oder auch selbst mal kentern).
Krumlov selbst ist auch sehr sehenswert, aber Sightseeing haben wir ja schon letzten Samstag erledigt. 

10.6.2026 Český Krumlov - Zlata Koruna 12 km 🛶
Zur Abwechslung gab es heute immer mal wieder Regen. Dadurch hatten wir wenig Ambitionen, uns treiben zu lassen und waren zeitig am Ziel.  
 1 lustiges Wehr mit langer Floßgasse gab es kurz vor dem Ziel.
Aufgrund des Wetters und der Kälte war ich ziemlich froh, dass diesmal ein Bett für mich in der festen Unterkunft zur Verfügung stand. Auf den vorherigen Plätzen hatten die anderen 4 Kanuten immer 4-er Hütten gebucht und ich davor gezeltet.  

11.6.2026 Zlatá Koruna - U Kelta 7 km 🛶 - Milevsko 🚗
Die letzten Kilometer auf der Moldau waren viel zu schnell vorbei. Auf dem Rückweg Richtung Berlin hat der Rest der Reisegruppe noch Quartiere in Milevsko und Srbsko an der Berounka geplant. Das liegt zwar eigentlich nicht auf meiner Strecke, aber ich begleite sie mal noch 1 1/2 Tage, bevor ich dann alleine mit Fahrrad weiter Richtung Süden fahre. Milevsko kenne ich noch gar nicht und morgen nochmal am Fluss Berounka zu verbringen klingt ganz attraktiv. 

12.6.2026 Srbsko an der Berounka 
Nach dem Frühstück fuhren wir mit Autos von Milevsko nach Srbsko. Aufgrund von Regen mussten wir erstmal 2 Kneipen erkunden, bevor wir dann doch noch zu einer kleinen Wanderung am Fluss Richtung Kletterfelsen aufbrachen. Auf dem Campingplatz nahe unserer dekadenten Unterkunft konnten wir den Abend bei Bier und akkustischer Gitarrenmusik ausklingen lassen. 

13.6.2026 Srbsko - Vyšší Brod 🇨🇿 🚂 - Linz 🇦🇹 🚲 44,5 km
Ursprünglich wollte ich von Vyšší Brod mit Fahrrad nach Passau und von dort mit Deutschlandticket nach Salzburg fahren. Da allerdings Richtung Passau Gegenwinde zwischen 20 km/h und 50 km/h angekündigt waren, plante ich lieber Richtung Linz um. 
Zuerst musste ich jedoch mit Zügen von Srbsko bei Prag innerhalb von 4 Stunden wieder zurück zu meinem Fahrrad nach Vyšší Brod nahe der österreichischen Grenze gelangen, während für die anderen Berliner Kanuten der Urlaub vorbei war. In Tschechien kosten die Bahnfahrten immer gleich wenig. Daher kann ich mal eben von Prag bis fast nach Österreich für 15,- € mit Schnellzug spontan fahren, statt das Wochen vorher buchen zu müssen. 
Zudem fährt die Bahn hier noch fast jedes Kuhdorf an. Dauert zwar, aber man kommt ohne Auto fast überall hin. Und Tickets im Zug kaufen ist auch ohne Aufpreis möglich. 
15:00 sitze ich wieder im Sattel und nach 8 km habe ich Österreich erreicht. 4 x bin ich während meines Sabbaticals schon Transit nachts mit Bus und Bahn hindurch gefahren. Jetzt wird es zum ersten Mal ordentlich bereist und ist damit Land Nr. 26 innerhalb von 12 Monaten.
Mein Zelt habe ich heute beim Ruder- und Kanuverein in Linz direkt an der Donau aufgeschlagen. Vor ziemlich genau 5 Jahren war ich hier schon einmal mit Rad, als ich den Donauradweg von der Quelle bis zur Mündung in Rumänien gefahren bin. 

14.6.2026 Linz - Salzburg 🚂 - Bad Hofgastein 🚲 94 km, 940 HM
Na bloß gut, dass ich Teller, Töpfe, Gas, Nudeln, Soße und sogar Windschutz mit mir rumschleppe. Sogar an Feuerzeuge habe ich diesmal gedacht. Aber der eigentliche Kocheraufsatz liegt schön in Berlin. 🙄 Da wir in Tschechien nie selbst gekocht haben und Kaffee immer zur Verfügung stand, habe ich das erst heute früh bemerkt. Zwar gibt es in Linz sogar einen Decathlon, wo ich preiswert einen Kocher bekommen würde. Aber natürlich nicht heute, am Sonntag. Der nächste Decathlon, der halbwegs auf der Strecke liegt ist in 4 oder 5 Tagen. Naja, auf manchen Zeltplätzen gibt es ja Küchen für Gäste. Ich lass mich überraschen. 
Bevor es in Salzburg auf den Alpe-Adria-Radweg geht, "schummel" ich bis dorthin nochmal mit der Bahn.
Die S-Bahn Linz - Salzburg sollte stattliche 32,40 € kosten, aber Mittwoch Abend hatte ich noch ein Sparticket im 10:14 IC für 9,90 € ergattert. 


Echt krass. Dit is alles so wunderschön. Und dann fährste um die nächste Ecke und dort sieht es noch krasser aus. Und hinter der nächsten noch schöner. 
Und der Radweg ist wirklich so entspannt, wie ich schon öfter gehört hatte. Immer an der Salzach und später an der Gasteiner Ache entlang mit sehr wenigen und moderaten Steigungen in die Berge. Ich bin jetzt 11 Kilometer vor der Tauernschleuse und hatte auf den 93 Kilometern seit Salzburg nicht mal 1000 Höhenmeter und die steilste Steigung hatte 7 %. Im Vergleich dazu hatte ich letzte Woche im Bayrischen Wald 500 Höhenmeter auf den ersten 10 Kilometern mit fast durchgängig 7 %.
Naja, jedenfalls war ich dann heute nach 59 Kilomtern schon vor 16:00 am anvisierten Campingplatz aber noch voll im flow und wäre gerne noch 20 Kilometer gefahren. Der nächste Campingplatz kam allerdings erst nach 35 km, also zog ich durch. Die Preise hier oben in den Bergen bewegen sich übrigens zwischen 25,- € und 42,- € für eine Person mit Zelt und Fahrrad 🤑🤯.

15.6.2026 Bad Hofgastein - Villach 🚲 97 km (+ 11 km Autoschleuse Tauernbahn) 
Für die letzten 11 Kilometer, die ich heute früh noch bergauf fahren musste, nehme ich alles zurück, was ich gestern geschrieben habe. Dass ich für die 6 Kilometer zum Supermarkt 80 Minuten gebraucht habe, sagt wohl alles. Vielleicht wäre es eine gute Idee, bereits in Bad Hofgastein einen IC zu nehmen.
Auf 1170 m üNN hatte ich dann den höchsten Punkt der Tour erreicht und verstaute mein Fahrrad für 11 Kilometer im Autozug, welcher direkt unter der 2832 Meter hohen Gamskarlspitze fährt. Nur durch diesen Tunnel ist es möglich, dass die Tour überhaupt so entspannt ist. Tickets kosten übrigens 10,30 € pro Fahrrad und werden nicht kontrolliert.
Auf der Südseite des Hohen Tauern angekommen, war es gleich 10 °C wärmer. Allerdings hatte sich auch die Windrichtung geändert und den Rest des Tages kam der Wind straff von vorn. Auch als Straßenbelag war heute meistens fester Schotter angesagt. 
Gleich zu Beginn ging es 550 Höhenmeter mit bis zu 17% Gefälle bergab. Also in die andre Richtung möchte ich den Weg nicht fahren. 
Nach 31 Kilometern erreichte ich den Drauradweg, der bis hier in Villach identisch mit dem Alpe-Adria-Radweg ist. Zur Adria geht es zwar noch durch die Julischen Alpen, aber für mich ist das Projekt Alpenüberquerung mit dem heutigen Tag zufriedenstellend abgeschlossen und ich folge von hier aus weiter der Drau/Drava Richtung Slowenien. 
Ach so: und die Ausblicke waren natürlich wieder herrlich und hinter jeder Ecke noch besser, als zuvor. 
Und der Camping Gerli in Villach ist endlich mal wieder ohne viel Schickimicki und kostet dafür bezahlbare 14,- € für mich. 

16.6.2026 Villach - Dullach am Völkermarkter Stausee 🚲 86 km
Morgens fuhr ich entspannt einige Kilometer entlang des Flusses Drau/Drava. Da mein Zwischenziel, der Decathlon in Klagenfurt etwas abseits der Route lag, wurde ich über den Wörthersee-Radweg umgeleitet. Es gibt sicherlich schlechtere Alternativen.
Aber gerade in Verden war schon ordentlich Schickimicki und Protzerei angesagt 🚘💎💍⌚️.
Nachdem ich mir einen neuen Kocher gekauft hatte, stellte ich zum Glück noch rechtzeitig fest, dass bis zur slowenischen Grenze 70 Kilometer später kein Supermarkt mehr kommt. Also musste ich schnell noch Vorräte kaufen und mitschleppen.  
Jetzt, wo ich einen neuen Kocher habe, hat der heutige Campingplatz natürlich eine voll ausgestattete Küche, preiswerten Kaffee und Pizza.
Dazu auch Hängemattenbäume und weil der Stausee zu doll blüht, auch einen eigenen Schwimmteich. Luxus pur zum kleinen Preis. Und da ich nur 86 Kilometer gefahren bin und 16:00 schon dort war, konnte ich das ordentlich auskosten. 

17.6.2026 Dullach 🇦🇹 - Maribor 🇸🇮 🚲 99 km
Vor dem Frühstück ging es erstmal in den Schwimmteich. Die Kommunikation mit den benachbarten Österreichern klappte eher nicht so. Ich hab das Gefühl, Slowenisch verstehe ich mit meinen Tschechisch-Kentnissen besser, als Österreichisch mit meinen Deutsch-Kentnissen. 
Einer der wenigen heutigen Anstiege kam gleich zum Anfang und nach 33 Kilometern hatte ich Slowenien, das 27. Land in meinem Sabbatical erreicht. Übrigens das 16. welches ich in der Zeit mit eigenem Fahrrad bereise. 
Anfangs ging es dort auf Höhenwegen oberhalb des Flusses entlang, später auf Radwegen neben Bundesstraßen und dann bin ich für 14 Kilometer freiwillig auf einer Bundesstraße gefahren, statt der eigentlichen Drau-Route zu folgen, um näher am Fluss zu sein und etliche Höhenmeter zu sparen. Es war weniger stressig, als befürchtet. Immerhing gab es viel Gefälle und so ging die Zeit schnell vorbei. Meinen Spiegel am Lenker finde ich bei so was doch immer wieder sehr praktisch, um rechtzeitig zu sehen, wenn von hinten LKW kommen. 
Die letzten 10 Kilometer nach Maribor führten entspannt auf einem neuen geraden glatten Radweg neben der Bahnstrecke entlang. 
In einem Einkaufscenter habe ich erfolgreich einen Asterix-Comic in einheimischer Sprache ergattert und der anvisierte Campingplatz ist wieder preiswert (15,-€) und gut ausgestattet mit Tischen, Bänken Kühlschrank, Wasserkocher usw. 
18.6.2026 Maribor 🇸🇮 - Sveta Marija Badeplatz 🇭🇷 🚲 114 km
Ich habe heute nicht ganz den Drauradweg genommen, sondern einige Flussbiegungen mit anderen Radrouten abgekürzt. Alle hatten aber gemeinsam, dass sie viel auf Schotter oder schlechten Radwegen entlang großer Straßen gingen. Daher habe ich heute oft spontan vor Ort umgeplant. Insgesamt waren es dann 3 Kilometer mehr als vorgesehen.
Die Berge sind jetzt im Rückspiegel kaum noch zu sehen und den ganzen Tag gab es keinerlei Steigungen.
Die 50 Kilometer bis zur kroatischen Grenze bin ich quasi durch gefahren. Apropos durchfahren: endlich mal wieder eine Grenze, an der nicht kontrolliert wird, im Gegensatz zu Deutschland, Tschechien und Österreich. Dafür hatte ich das Gefühl, dass der Fahrstil der Auto fahrenden gegenüber Rad fahrenden hinter der Grenze gleich viel rücksichtsloser wurde. Und der hier unvermeidliche Patriotismus/Nationalismus ist auch gleich an jeder Straßenecke sichtbar. 
Positiv fällt auf, dass fast jeder Ort einen kleinen Konzum hat, so dass ich nie viel Flüssigkeit oder Nahrung mit mir rumschleppen muss. In Österreich kam es schon mal vor, dass der nächste Supermarkt 40 Kilometer entfernt war und man daher sorgfältig planen musste.
Die letzten 10 Kilometer führten mich heute dann wie zur Entschädigung auf glattem Asphalt auf dem Damm eines Stausees und unterhalb dieses erwartete mich die versprochene Badestelle mit Schlafmöglichkeit direkt am Ufer. 
Da mir nicht ganz klar war, wie legal das ist, wartete ich, bis 21:00 die letzten Gäste gingen und schlief in der Hängematte. 
19.6.2026 Sveta Marija 🇭🇷 - Balatonberény 🇭🇺 🚲 100 km
Der Zusammenfluss von Drau, Mur, und Donau wird großspurig "Amazona Europas" genannt und ich hatte vorgestern überlegt, diesen Weg bis zur serbischen Grenze weiter zu fahren. Nach den vielen Schotterpassagen gestern habe ich diese Idee aber endgültig gestrichen und es geht wieder nach Norden. Am liebsten wäre mir ein Ruhetag an einem See in Ungarn. Aber weit und breit ist dort keiner, außer der Balaton. Ob es dort jedoch ruhig ist? Noch dazu am Wochenende? 
Nach 20 Kilomtern erreichte ich Ungarn. Leider hieß das, mal wieder anderes Geld besorgen zu müssen. Und hier wird eine der wenigen Sprachen in Europa gesprochen, zu der ich so gar keinen Zugang habe. Außer "Bitte", "Danke" und "Prost" kann ich kein Wort. Immerhin sprechen fast alle am Balaton und in der Nähe der österreichischen Grenze entweder englisch oder deutsch.
Dafür gab es auf der Strecke (fast) keine Steigungen, keinen Gegenwind, kaum Schotter. Allerdings Temperaturen über 30 °C. Im Schatten. Jedoch war nirgends Schatten, so dass mein Thermometer am Tacho bis zu 42,8 °C zeigte. Das war echt anstrengender, als durch die Alpen zu fahren und ich war heilfroh, als ich nach 95 Kilometern meinen Zeltplatz erreichte. Da man von dort allerdings nicht mehr an's Wasser kommt, weil der Wasserpegel extrem gesunken ist, musste ich noch mal 2-3 Kilometer in die Stadt zum Baden und Essen fahren und machte so die 100 Kilometer noch komplett.
Baden im Balaton lohnt sich aber echt nicht. Ich bin mehrere 100 Meter rein gelaufen und das Wasser war immer noch nur Knietief. Schwimmen kann man also vergessen. Und wenn der Wasserpegel weiter so sinkt, ist der See vermutlich bald ganz weg. Oder zumindest ganz weit weg vom Ufer.
Ruhig ist es immerhin auf dem Zeltplatz. Noch scheint keine Saison zu sein und ich bin fast alleine. 

20.6.2026 Balatonberény Ruhetag
Kaum zu Glauben, aber ich mache auch mal einen Ruhetag. Der Pool auf dem Campingplatz ist tatsächlich attraktiver für mich, als der Balaton selbst. 
Und ich überlege, wie ich mit den Temperaturen in den nächsten Tagen umgehe. Auf jeden Fall noch kürzere Strecken planen, früher losfahren, möglichst nur vormittags fahren und nachmittags mit Zügen die restliche Strecke zurück legen, die Radrouten möglichst an Zugstrecken entlang planen. 

21.6.2026 Balatonberény - 🚲 77,5 km - Celldömölk - 🚂 - Sopron - 🚲 37 km - 🚂 - Rajka 
Also hatte ich mir heute einen Wecker auf 5:00 gestellt und wollte 7:00 starten. Es ist dann sogar eine halbe Stunde früher geworden und es waren noch angenehme 20 °C. 
Ziel war erst einmal der Bahnhof in Celdömölk, von wo stündlich eine Bahn nach Sopron fuhr. 11:40 schaffte ich den Zug zwei Stunden früher, als geplant. 
In Sopron war dann zum ersten Mal auf der Tour ordentlich Sightseeing angesagt. Aber keine barocken Schlösser, sondern Erinnerungen an das "Paneuropäische Picknick", bei dem der "Eiserne Vorhang" zwischen Ost und West am 19.8.1989 zum ersten Mal geöffnet wurde, was eine ungezähmte Fluchtbewegung von DDR-Bürgern auslöste und wiederum zum Fall der Berliner Mauer führte. 
Nochmal 17 Kilometer sollten es bis zum geplanten Campingplatz sein, doch "Oh Schreck", er ist wohl dauerhaft geschlossen 😱.
Ich hatte ja schon geschaut, wie ich morgen früh mit Zügen in Richtung slowakische Grenze komme und zufällig gab es 30 Minuten später eine Verbindung 6 Kilometer entfernt. Also wieder rauf auf's Rad und losgesprintet und alle Anschlüsse geschafft. Im Zug habe ich einen Campingplatz direkt zeischen zwei Donaunebenarmen, 2 Kilometer vor der Grenze entdeckt, den ich dann kurz nach 20:00 erreichte. Es könnte wirklich schlimmer sein. Mega cool hier. Den längsten Tag des Jahres habe ich also voll ausgenutzt. Das mit dem weniger weit Rad fahren hat eher nicht so geklappt. 118,5 km war sogar die längste Tagesgesamtstrecke auf dieser Tour. 

22.6.2026 Rajka 🇭🇺 - 🚲 42 km - Bratislava 🇸🇰 🚂 - Malé Leváre 
Morgens bin ich direkt erstmal in der Donau schwimmen gewesen. Dann zum Konsum gefahren, frühstücken. Da gestern Sonntag war, waren meine Vorräte aufgebraucht.
Nächster Tageordnungspunkt war der Tisch, der direkt auf dem Dreiländereck Österreich/Slowakei/Ungarn steht. Aber es war niemand aus einem der Länder dort, um mit mir zu quatschen oder zu picknicken. Apropo quatschen: in der Slowakei verstehe ich die Leute wieder, aber mein slowakisch scheint zwar verständlich zu sein, sich aber deutlich von dem zu unterscheiden, was Tschechen sprechen. Also werde ich fast immer für einen Polen gehalten, sobald ich rede. 
Bratislava habe ich kurz abgehakt und nur angehalten, um 1 Foto zu machen und auch einen Asterix Comic auf slowakisch zu kaufen. Ich war schon zu oft hier, um mich noch in's Touri-Gewimmel werfen zu müssen. 
Mit der Vorortbahn ging es dann nach Velké Leváre und von dort zu einem Campingplatz direkt am See, wo ich den Rest des noch langen Nachmittags abkühlen konnte. Wenig Fahrrad fahren hat heute mal funktioniert. 
Wie schon gestern in Rajka war die Rezeption des Campingplatzes bei meiner Ankunft verwaist. Heute gab es immerhin eine Telefonnummer, unter der mir mitgeteilt wurde, das Tor sei offen, ich solle mich einfach hinstellen, wo ich will. So kenne ich das auch von vielen Plätzen in Tschechien. Find ich gut. 

23.6.2026 Malé Laváre 🇸🇰 - 🚲 40 km - Břeclav 🇨🇿 🚂 - Veselí nad Lužnicí 
Morgens war ich natürlich erst mal im See baden und bin dann wieder vor 7:00 Uhr los, um die kühlen Temperaturen auszunutzen.
Mit einem kleinen Abstecher über Österreich ging es zurück nach Tschechien.
Die große Runde ist hiermit beendet und ich habe ab Břeclav für 200 Kilometer den Schnellzug genommen. Bei den anhaltend heißen Temperaturen muss ich wirklich nicht unbedingt noch viele Kilometer zurücklegen. Über 1000 Kilometer auf dem Rad sind es jetzt schon geworden. 
Vom "Mighty Sounds" Festival, welches ja mein Ziel ist, ist Veselí nad Lužnicí noch 35 Kilometer entfernt. Dort habe ich heute mein Zelt direkt am Fluss Lužnice gleich für 2 Tage aufgestellt. Dann kann ich morgen noch eine Tour ohne Gepäck machen und spare mir einmal Zelt ab- und aufbauen. Übrigens kosten mich 2 Nächte zelten hier zusammen gerade mal 15,- €. 

24.6.2026 Veselí nad Lužnicí - Třeboň - Veselí n.L. 🚲 Rundtour 58 km
Morgens, bevor es wieder zu heiß wird, bin ich eine kleine Runde durch die Fluss- und Seenlandschaft des "Třebonský pánev" (Niederung) gefahren. Ist ganz schön, mal ohne Gepäck. Den Unterschied merke ich doch deutlich. 
Den Rest des Tages wird in der Hängematte gechillt.

25.6.2026 Veselí nad Lužnicí - Tábor "Mighty Sounds" Festival 🚲 35 km
Auf geht's zum Festival!
Heute ist schon "Warm-Up-Party".
Also insgesamt 4 Tage Festival. Wer soll das durchhalten?
25.6.-28.6.2026 "Mighty Sounds" Festival, Tábor 🇨🇿
Ich liebe einfach alles an diesem Festival. Endlich mal ein richtig internationales Festival. Geschätzt 2/3 der Gäste sprechen tschechisch, knapp 1/3 deutsch (vor allem österreichisch, bayrisch, sächsisch) und der Rest slowakisch und polnisch. Die Bands kommen zu nahezu gleichen Teilen aus Tschechien, Deutschland und dem Rest der Welt. Ich hoffe mal, dass dadurch hervorragende tschechische Bands, wie "Fialky", "Totální Nasazení" oder "Punk Floid" von ausländischen Besucher*innen entdeckt werden. 
Polnische Bands waren auch da ("Ska Petarda"), slowakische und österreichische aber nicht? Headliner, wie "Pennywise", "Exploited", "Agnostic Front" heizen ordentlich ein und deutsche Bands, wie "Oxo 86", "Sondaschule", "ZSK", "Team Scheiße" ziehen wohl viele deutschsprachige Leute an, versuchen krampfhaft auf englisch zu kommunizieren, machen aber ansonsten gut Party. Echte Knaller, wie "Non Servium" aus Spanien, "Lions Law" aus Frankreich und "Talco" aus Italien runden das Line-Up ab.
Die Preise für Verpflegung sind konkurrenzlos preiswert im Vergleich zu Deutschland. Die An- und Abreise mit Bahn ist unkompliziert. Die Schnellzüge der Tschechischen Bahn legen von Donnerstag bis Montag sogar einen Extra-Halt direkt am Festival ein. Lidl, Kaufland usw. sind fußläufig erreichbar. Kostenlose Duschen und Keramik-Toiletten-Container sorgen für etwas Hygiene. Nur das mit dem fehlenden Schatten und dem fehlenden Waldbad sind natürlich Nachteile gegenüber dem "Back to Future" Festival in 2 Wochen. 

Karte von mapy.com 

Von Lam im Bayrischen Wald bis nach Tábor in Tschechien habe ich jetzt ca. 1200 Kilometer per Fahrrad und noch mal ca. 600  Kilometer per Zug zurück gelegt. Die Fahrradmitnahme in Regios und teilweise auch Fernzügen war innnerhalb Ungarns, der Slowakei und Tschechiens immer spontan problemlos möglich und sehr preiswert. Nur über Grenzen hinweg wäre unmöglich oder kompliziert oder teuer gewesen. Insgesamt haben mich die Züge ab und bis Berlin 115,- € gekostet. In Deutschland habe ich das Deutschlandticket und die Fahrradtageskarte-Nahverkehr für 7,50 € genutzt. 


Freitag, 24. April 2026

Brasilien 🇧🇷, Uruguay 🇺🇾, Argentinien 🇦🇷 - April 2026

Die letzte Fernreise meines Sabbatjahres führt mich zuerst einmal nach Brasilien. Der Gitarrist meiner ehemaligen Band "Sick Boys" (ca. 1998 - 2000) Marko wohnt seit Jahrzehnten in Florianópolis. Oli aus Berlin wird mich begleiten. Eigentlich wollten wir uns dort Motorräder mieten und rumdüsen. Irgendwie war es aber nicht möglich, 2 Motorräder zu finden, also haben wir uns jetzt dekadent für ein Wohnmobil entschieden. Wenn Olis und Markos Urlaub nach 2 Wochen vorbei ist, werde ich mich über Uruguay auf den Weg nach Buenos Aires machen, von wo ich zurück fliegen werde. 

20.3.2026 Berlin - Amsterdam - Rio de Janeiro - Florianópolis 🇧🇷 

2:50 morgens bin ich in Köpenick in den Nachtbus gestiegen und nach 2 Umstiegen in Amsterdam und Rio de Janeiro sind wir ziemlich genau 24 Stunden später in Florianópolis angekommen. Ortszeit war das 22:50. Dabei habe ich zum ersten Mal in meinem Leben den Äquator überquert. 

Marko hat uns vom Flughafen abgeholt und in einer Bar bei 2 Bier noch einigen Einheimischen vorgestellt. Es ist mal wieder sehr von Vorteil, sich nicht selbst kümmern zu müssen, wie man vom Flughafen weg kommt und wo man dann unterkommt. Und gleich Anschluss an die örtliche Szene zu bekommen. 

Während ich bei der Ankunft in Marokko und Indien jeweils einen ordentlichen Kulturschock erlitten hatte, fühlt es sich auf den ersten Eindruck hier alles gar nicht so anders an, als in Europa. Allerdings scheint die Sprachbarriere höher zu sein. Da fast alle anderen Touris portugiesisch oder spanisch sprechen, spricht kaum ein:e Einheimische:r englisch 😐. 

Irgendwie habe ich das Kunststück fertig gebracht, meine einzige Jacke, die ich mit habe, auf dem kurzen Weg vom Flughafen zur Wohnung zu verlieren. Wahrscheinlich sogar schon bevor ich ins Auto gestiegen bin. Aber wahrscheinlich werde ich die nächsten 5 Wochen auch keine Jacke benötigen, hoffe ich mal. 

21.3 2026 Florianópolis - Curitiba 

Nachdem wir örtliche SIM Karten gekauft hatten, haben wir den gemieteten Camper abgeholt und uns auf den 300 km langen Weg nach Curitiba zur Party zum 40. Geburtstag von Kenya gemacht. Auch hier muss 22:00 Schluss sein mit lauter Musik, aber in der Innenstadt war in Bars noch viel los auf den Samstag Abend. 

Es war mal wieder mega cool, durch Marko gleich mega viele Kontakte zu haben. 

Leute, die andere Sprachen, als portugiesisch oder spanisch sprechen, haben wird allerdings wieder kaum getroffen. Also muss ich eine der beiden Sprachen (oder eine Mischung aus beiden) in den nächsten Wochen wohl noch lernen. 

Was außerdem noch auffällt: genauso, wie in Indien sind hier elektrische Autos der chinesischen Marke "Build your dream (BYD)" sehr verbreitet, trotzdem Benzin viel preiswerter ist, als in Deutschland. 

22.3.2026 Curitiba - Camping Wasserfall Salto São Jorge

Nach einem üppigen Hotel-Frühstück haben wir das Wohnmobil vom bewachten Parkplatz geholt, noch ein bisschen Sightseeing in Curitiba gemacht und sind ca. 130 km in den "Campos Gerais" Nationalparks auf einen schnuckeligen Campingplatz an einem kleinen Fluss gefahren, auf dem wir fast alleine waren. 
Eigentlich fühlt es sich nicht viel anders an, als in Europa, aber es ist deutlich wärmer und nachts sieht man andere Sternbilder. 

23.3.2026 Salto São Jorge - Nationalpark Vila Velha - Prudentópolis

Nach dem wach werden sind wir zum 500 m entfernten Wasserfall gelaufen und waren im Fluss baden. Dann haben wir nach 3 Tagen endlich mal SIM Karten aktiviert und sind zum Nationalpark "Vila Velha" gefahren, wo es crazy Sandsteinformationen zu bewundern gab. 

24.3.2026 Prudentópolis - Foz do Igaçu

Zum wach werden habe ich erstmal im Pool des Campingplatzes ein Bad genommen. Im nahen Prudentópolis stammen mehr als 80 % der Bevölkerung von Ukrainern ab, die 1896 hierher einwanderten. Die Stadt haben wir noch kurz angeschaut und den Rest des Tages dann auf der Bundesstraße BR 277 verbracht und 444 km abgespult, wofür man hier über 6 Stunden reine Fahrzeit benötigt. Jetzt sind wir im Dreiländereck Brasilien - Argentinien - Paraguay. Mit dem Mietwagen dürfen wir leider nicht rüber, aber vielleicht machen wir mal zu Fuß einen oder zwei Abstecher. 

25.3.2026 Igaçu Wasserfälle 

Ja, wat soll ich sagen? Einfach imposant. Mega krass, unbeschreiblich. Wasserfälle über mehrere hundert Meter Breite. Hat sich auf jeden Fall voll gelohnt, hier her zu kommen.

26.3.2026 Foz do Igaçu 🇧🇷 - Itaipu Binational 🇧🇷🇵🇾 - Ciudad del Este 🇵🇾

Oli hat morgens noch einen Hubschrauberflug über die Wasserfälle gemacht. 

Danach sind wir zum binationalen Wasserkraftwerk Itaipu gefahren. "Mit einer Nennleistung von 14 GW war das Kraftwerk bis zur Fertigstellung der Drei-Schluchten-Talsperre in der Volksrepublik China im Jahr 2006 das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Welt. Aufgrund der hohen Auslastung der Turbinen lag Itaipu bei der Jahresenergieproduktion auch nach 2006 meist an erster Stelle", sagt Wikipedia. Abgesehen davon, dass wir das ganze auch von innen bewundern durften, haben wir dabei bereits die Grenze zu Paraguay unzählige Male überquert, da sich das Kraftwerk direkt auf der Grenze befindet. Danach sind wir dann noch einmal für 'ne Stunde offiziell nach Ciudad del Este auf paraguyanischer Seite eingereist. Innerhalb der letzten 12 Monaten ist dies das 27. Land, welches ich besucht habe. 

27.3.2026 Foz do Igaçu - Morro Divisor dos Ventos

Heute haben wir den ganzen Tag Strecke mit Auto gemacht. Vielleicht 350 km mit fast 6 Stunden reiner Fahrzeit. Da wir nicht vor 12:00 los kommen und 18:30 die Sonne unter geht, wird's nicht mehr. Zum dritten Mal von 5 Fahrtagen haben wir es mal wieder nicht geschafft, vor Einbruch der Dunkelheit einen Stellplatz zu finden 🙄. Ein extra für uns aus Florianópolis geliefertes frisches Bierfass mussten wir schließlich auch noch unterwegs einsammeln. 

Langsam geht es jetzt im großen Bogen wieder zurück in Richtung Küste. 

28.3.2026 Morro Divisor dos Ventos - Treize Tílias - Herval d'Oeste Camping Scoppel

Da wir gestern zeitig im Bett waren, war ich heute rechtzeitig vor Sonnenaufgang wach und habe mir diesen nach einer kurzen aber steilen Wanderung oben auf dem nahen 1100 m hohen Berg angeschaut. Tatsächlich haben wir es heute wirklich geschafft, schon 8:30 zu starten. 

Treize Tílias ist ein komplett Tiroler Ort mitten in Brasilien. Inklusive Schnitzel-Restaurant, österreichischen Brauereien und Molkereien usw. Irgendwie strange. Ich stelle mir gerade vor, es gäbe in Deutschland einen Ort, der z.b. komplett türkisch wäre. 

50 km weiter sind wir dann tatsächlich mal im Hellen auf einem Campingplatz angekommen, der bei Google Top-Bewertungen im Bezug auf Party hat. Für eine ruhige Samstagnacht natürlich ideal. Nicht. 

Aber trotzdem schön am Fluss.

29.3.2026 Herval d'Oeste - Urubici 

7:00 sind wir wieder aufgestanden und waren dann Punkt 9:00 "on the road". Bei den leeren Straßen in der Gegend und auf'n Sonntag steuere ich auch mal die ersten 100 km das Wohnmobil. Bevor es wieder an die Küste geht, bleiben wir heute in den Bergen bei Urubici, die bei Bikern sehr beliebt sind.

2 Stunden Starkregen überbrücken wir dann an einer stylischen Biker-Raststätte und gleich um die Ecke gibt es auch einen für unsere Verhältnisse luxuriösen Campingplatz. 


30.3.2026 Urubici - Furna do Rio do Bispo
Nachdem der gestrige Abend mal wieder lang war, haben wir den Tag heute ruhig angehen lassen. 13:00 haben wir uns einen Buggy geliehen und sind damit 1 Stunde über Stock und Stein gedüst. Vorher haben wir noch 1 Stunde Starkregen abgewartet und es sollte nicht der letzte heute sein. Deswegen haben wir den Ausflug zum Corvo Branco Durchbruch auf morgen verschoben und sind direkt zum nächsten süßen Campingplatz direkt am Fluss Rio do Bispo.

31.3.2026 Furna do Rio do Bispo - Praia do Cedro
Nachdem der Regen irgendwann aufgehört hatte, sind wir noch ein bisschen in der wilden Natur rumspaziert, zum Corvo Branco Durchbruch und zur Grotte Nossa Senhora do Lurdes gefahren und haben in Urubici ein All-you-can-eat Mittag gegessen. 
Weil wir morgen mittag das Wohnmobil wieder abgeben müssen, wollten wir kurz vor Florianópolis campen, aber mal wieder hatten mehrere angesteuerte Campingplätze geschlossen 🙄. Also mussten wir wie so oft im Dunkeln weiter fahren, bis an eine Bucht des Atlantik. 

1.4.2026 Praia do Cedro - Florianópolis 
Da uns der Sonnenaufgang über der Bucht so schmackhaft gemacht wurde, sind wir tatsächlich 6:00 aufgestanden und ich bin direkt mit dem SUP gefahren und war baden. Frühstücken, Wohnmobil aufräumen, säubern, tanken und zurück zum Vermieter bringen. 2250 km sind wir in 11 Tagen insgesamt rum gefahren. 
Bei der Rückgabe der Zapfanlage sind wir noch auf eine Besichtigung der Bertol Brauerei inkl. Verkostung morgens halb 11:00 eingeladen worden. 
Mittags haben Oli und ich unsere Gästewohnung direkt 2 Häuser neben Marko bezogen.
 
Nach einem Mittagsschlaf sind wir am Strand entlang zur Bertol Craft Beer Bar gelaufen, wo wir mit mehreren Leuten verabredet waren, von denen einige sogar ein paar Brocken englisch sprechen. Unter anderem habe ich Dudu, den Drummer von Zoidz und den Drummer der Crust Band Söödio getroffen, der im Hauptjob für ein Orchester trommelt.

2.4. 2026 Pomerode - Blumenau - Florianópolis 
Pomerode ist die deutscheste Stadt in Brasilien. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie von deutschen Auswanderern gegründet. Das wollten wir uns mal anschauen. Und gerade zu Ostern war nochmal besonders viel geschmacklos geschmückt.

Ordentliches deutsches Eisbein haben wir auch noch gegessen, bevor es weiter ins nahe Blumenau ging, wo angeblich das zweitgrößte Oktoberfest der Welt stattfindet. 
 
Abends sind wir in Florianópolis in die Innenstadt. Vor dem arbeitsfreien Karfreitag war richtig viel los. Alle Straßen und Bars waren voll. Alle trinken und feiern in den Straßen. Jung bis Alt, Punk bis nobel, weiß bis schwarz, alles gemischt. Diesmal haben wir noch den Sänger von Zoidz und den Basissten von Panchora getroffen. 2:00 morgens waren wir erst im Bett.
Da öffentlicher Nahverkehr hier nazu nicht existent ist, nutzen alle Uber und ich habe es dann heute auch zum ersten Mal in meinem Leben ausprobiert. 

3.3.2026 Florianópolis 
Nach der gestrigen Nacht hatten wir ein bisschen Mühe den checkout aus unserer Ferienwohnung um 11:00 zu schaffen. Erstmal sind wir dann (erfolglos) zum Busbahnhof gefahren, um zu schauen, ob es noch Routen für mich gibt, von hier weiter zu fahren, die ich im Internet noch nicht gefunden hatte. 
Auf dem Markt haben wir dann dekadent aber preiswert frische Shrimps und Austern gekauft. Das macht man hier wohl so an Karfreitag. Alle Fischstände hatten auch offen, alle Fleischstände aufgrund des speziellen Feiertages geschlossen. 
 
Das Osterwochenende werden wir jetzt zu acht auf einem Campingplatz direkt am Atlantik im Süden der Stadt verbringen. Eventuell kommen tagsüber noch weitere Bekannte dazu. Bevor das Bierfass angestochen wurde, musste ich natürlich erstmal in die Wellen springen.

4.4.2026 Florianópolis Praia/Strand 

Der ganze Tag bestand daraus, am Strand rum zu hängen, in den Wellen zu planschen und abends mal wieder Unmengen von Fleisch und Fisch zu grillen, sowie frisch gezapftes Bier und Caipirinha zu vernichten. Ich habe noch weitere Expats aus Berlin und Moskau kennengelernt. Letztere sind vor 3 Jahren von Moskau nach Paraguay übergesiedelt. 

5.4.2026 Florianópolis 

Nachdem wir unsere Strandhütten geräumt hatten und noch einmal im Atlantik waren, hat uns Marko fast über die komplette Insel Florianópolis gefahren und wir haben noch dies und das angeschaut. Am Busbahnhof habe ich Tickets bis zur uruguayanischen Grenze für Dienstag gekauft. Online geht das nur mit brasilianischer Steuernummer, die ich versäumt habe, vorher bei der Botschaft zu beantragen. Würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall machen. Ohne die geht hier vieles nicht. 

Abends geht es nochmal kurz in eine Bar in der Nähe unserer Ferienwohnung.

6.4.2026 Florianópolis 

Regen- und Gammeltag. Deswegen gibt es heute kein Foto für dich. Es hat fast den ganzen Tag geschüttet, wie aus Eimern. Gegen mittag haben wir uns trotzdem ins Zentrum fahren lassen, sind dort ein bisschen rumgelaufen und dann wieder zurück zur Ferienwohnung. Abends sind wir zum Abschied in's Restaurant und haben uns dort noch mal mit Bekannten getroffen. 

7.4.2026 Florianópolis - Porto Alegre

Oli sitzt im Flieger nach Berlin, Marko ist wieder arbeiten und ich sitze bzw. liege jetzt im Schlafbus zur uruguayanischen Grenze in Chuí/Chuy (хуй 😅). 

Zwischendurch musste ich nochmal in Porto Alegre umsteigen, welches bei den gefährlichsten Städten Brasiliens in den Top 5 ist. Zum Sonnenuntergang bin ich schnell noch zum Ufer und dann schnell wieder zurück zum sicheren Busbahnhof. Für die Navigation habe ich mir mein Zweithandy angemacht, auf dem nichts ist, außer eine Offline-Karte und noch extra ein "Wegwerf-Portemonnaie" eingesteckt, in dem nichts wichtiges drin ist. Nach Aussagen von Einheimischen werden übrigens mehr Leute durch die Polizei erschossen, als durch die Gangs. 

Es war mega cool, 2 1/2 Wochen mit den beiden rum zu reisen und Marko dabei zu haben, der sich auskennt und durch ihn überall Anschluss zu haben. Jetzt freue ich mich aber auch, mein eigenes Ding zu machen. 

8.4.2026 Porto Alegre 🇧🇷 - Chuí 🇧🇷 - Chuy 🇺🇾 - Punta del Diablo 🇺🇾

Auf Wiedersehen Brasilien! Hallo Uruguay!

Die Grenze verläuft hier mitten auf der Straße in Chuy 🇺🇾/Chuí 🇧🇷. Die Brasilianer behaupten zwar, das "Ch" wird als "ich-Laut" gesprochen, ich finde aber die Vorstellung, dass es ernsthaft eine Stadt gibt, die "Хуй" heißt, viel lustiger. 

Der eigentliche bürokratische Grenzübertritt ist komisch: bevor man in die Stadt fährt, reist man aus Brasilien aus und erst 1 km hinter der Stadt reist man nach Uruguay ein. In der Doppelstadt ist man quasi im Niemandsland.

Rückblick Brasilien 🇧🇷

Insgesamt hat sich Brasilien viel "europäischer" angefühlt, als gedacht. Die Unterschiede waren gar nicht so groß. Aber dadurch, dass es keinen kalten Winter gibt und es relativ feucht ist, ist die Vegetation einfach gigantisch. 

Bezahlung funktioniert nahezu zu 100 % bargeldlos. Ich habe nicht einen einzigen Schein oder Münze benutzt. Wer kein Bargeld hat, dem kann auch kein Bargeld geklaut werden. Keine Ahnung, ob das mit einer der Gründe ist. Aber generell habe ich mich viel sicherer gefühlt, als ich erwartet habe. Zwar haben viele Häuser Stacheldraht auf der Begrenzungsmauer, aber das war eigentlich das einzige auffällige. 

Verständigung war gar nicht mal so einfach, wenn man kein portugiesisch spricht. Fast niemand spricht englisch (oder deutsch oder russisch oder gar tschechisch). Drei Brocken spanisch und Google-Übersetzer haben mir oft geholfen. 

Essen besteht hauptsächlich aus (Rind-)Fleisch, ich schätze mal Vegetarier haben es hier schwer. 

Sowohl im Restaurant, als auch mit Freuden werden Speisen und Getränke oft geteilt und rumgereicht. 

Rauchen scheint relativ verpönt zu sein. An den meisten Orten ist Rauchen verboten und es wird sehr wenig geraucht. E-Zigarretten sind komplett verboten.

Brasilien ist gigantisch groß. Insgesamt ist Brasilien mehr, als doppelt so groß, wie die gesamte EU. Ich bin zwar Tausende km unterwegs gewesen und habe mich trotzdem nur in den 3 südlichsten Bundesstaaten aufgehalten. Vielleicht ist ja vieles nördlicher ganz anders. 

Ich bin gespannt, was in Uruguay anders ist, außer der Sprache und der Währung. 

Erster Eindruck Uruguay 🇺🇾

Kartenzahlung ist hier schonmal nicht angesagt und ich wurde auch gleich mit einem Stromausfall begrüßt. Das heißt, dass auch die Geldautomaten nicht funktionierten. Aber irgendwann ging dann überall wieder Licht an und jetzt habe ich Pesos und 'ne uruguayanische SIM Karte und fahre zum Strand in Punta del Diablo.

Aus lauter Angst, dass Busse dorthin ausgebucht sein könnten, habe ich gestern Nacht noch online einen für Nachmittags gebucht. Da ich aber Mittags dann mit Chuy doch schon durch war konnte ich ihn ohne Komplikationen auf früher umbuchen und war schon 14:00 in Punta del Diablo. Im Sommer scheint dies wirklich ein großartiger Ort für Aussteiger aller Art zu sein. Aber jetzt nach Ostern, wo hier Herbst ist, ist der Ort wie ausgestorben. Auch in meinem gebuchten Hostel war niemand anzutreffen, aber ich habe noch was anderes gefunden. Da die Besitzerin aus den Niederlanden kommt, klappt ausnahmsweise sogar die Kommunikation auf deutsch. 

9.4.2026 Punta del Diablo
Eine Gemeinsamkeit von Uruguay mit den Niederlanden ist der entspannte Umgang mit Drogen und der damit verbundene Tourismus aus den Nachbarländern. Aber den hiesigen Kiffern und Surfern reichen je 22°C Luft- und Wassertemperatur offensichtlich nicht aus. Also habe ich den kilometerlangen Sandstrand ganz für mich alleine. Wegen der hohen Wellen ziehe ich es dann aber doch vor, im Ortszentrum baden zu gehen, wo vielleicht noch 1-2 Menschen bemerken würden, wenn ich abtreibe. 
Während ich in Brasilien aufgrund meiner Haut- und Haarfarbe kaum aufgefallen bin, da Brasilien ethnisch sehr durchmischt zu sein scheint, ist dies in Uruguay anders. Hier sehen fast alle Menschen so aus, wie ich mir den/die typische*n Latin@ vorstelle. Aber zumindest in Punta del Diablo so, wie ich sie aus europäischen Subkulturen kenne und nicht so spießig, wie Mexikaner oder Ecuadorianer, die ich bisher kennengelernt habe. 
[Update 16.4.2026: im Rest des Landes war es aber auch viel durchmischter. Ich glaube in Punta del Diablo leben viele Migrant*innen aus Argentinien und Venezuela.]

10.4.2026 Punta del Diablo - Punta del Este
Eigentlich wäre ich gerne noch 1 Tag länger in Punta del Diablo geblieben, aber da es mit den nicht vorhandenen Unterkünften schwierig ist, habe ich mich entschlossen mitten durch die einzige wahre und echte Pampa weiter zum "Reichen-Strand" nach Punta del Este zu fahren. Zwar verbringe ich mal wieder 3 1/2 Stunden zur besten Tageszeit im Bus, aber das ist mir immer noch lieber als ganz früh oder ganz spät zu fahren. Übrigens waren bisher alle Busse auf meiner Reise pünktlich auf die Minute. (Schrieb er und prompt hatte der nächste Bus 23 Minuten Verspätung und ich wurde ganz nervös, ob ich ihn irgendwo übersehen hatte und er schon weg war). Die meisten Menschen, die auf Busse warten, wollen übrigens gar nicht mitfahren sondern warten auf Pakete, die mit den Bussen transportiert werden. Zur Planung hat sich hier in Südamerika "Rome2Rio" deutlich gegen alle ausprobierten anderen Apps (inkl. GoogleMaps) bewährt. Insgesamt bin ich jetzt nur noch 5 1/2 Stunden Fahrzeit (mit 2 Umstiegen) von meinem Endziel Buenos Aires entfernt und habe noch 13 Tage Zeit bis zum Rückflug von dort. Wenn mir jetzt also nicht endlich noch jemand den ultimativen Tipp gibt, werde ich dann wohl je 3 Nächte hier, in Montevideo, Colonia del Sacramento und Buenos Aires verbringen. Echt tranquilo für meine Verhältnisse. 
Vor der Abreise habe ich mich im Hostel noch gut mit einer argentinischen Migrantin über den argentinischen und deutschen Rechtsruck und Punkbands aus beiden Ländern unterhalten. Noch heute schwärmt sie von den "Toten Hosen" Konzerten damals in Buenos Aires in kleinen Clubs und auf offener Straße. 
 
Über Uruguay habe ich auf der Busfahrt übrigens folgendes rausgefunden: "Uruguay gilt tatsächlich als eines der entspanntesten und sichersten Länder Südamerikas, oft bezeichnet als der "entspannte Geheimtipp" des Kontinents. Es ist bekannt für seine hohe Lebensqualität, Stabilität und eine entschleunigte Lebensweise. [...] Hoher Lebensstandard: Uruguay hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Lateinamerika und die geringsten sozialen Unterschiede in der Region.
Einfache Einwanderung: Das Land macht es Einwanderern relativ leicht, eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten."
Zu relativer Bekanntheit brachte es ja auch Pepe Mujica, der als ärmster Präsident der Welt galt, da er lediglich 10 % seines Gehaltes behielt und den Rest spendete. Privat fuhr er immer noch seinen alten VW - Käfer. 
Außerdem scheint es jede*n Uruguayer*in von früh bis abends nur echt mit kompletter Mate Ausrüstung zu geben und es gibt sogar ein Emoji dafür:🧉 

11.4.2026 Punta del Este
Heute habe ich abseits der vielen Hochhäuser doch noch sehr schöne Ecken in Punta del Este und einen neuen Freund gefunden. 
 
Trotzdem fahre ich Dank James' Tipp morgen nochmal an einen ruhigeren Strand, auch wenn es eigentlich ein bisschen in die falsche Richtung ist. 

12.4.2026 Punta del Este - La Pedrera
Ab zum nächsten Strand. Laut Netz soll es auch einen Direktbus geben, den man wiederum online nicht buchen kann, sondern nur am Busbahnhof. Am Busbahnhof wurde mir allerdings mitgeteilt, dass damit ein anderer Busbahnhof gemeint ist, der 5 km entfernt ist. Na ein Glück konnte ich die Fahrt nicht online buchen, sonst hätte ich heute früh wohl am falschen Busbahnhof gestanden. Dann also mit Umsteigen und 45 Minuten Aufenthalt in Rocha. Genau richtig, zum Mittag essen. Mit 10,- € für Verpflegung pro Tag komme ich hier übrigens nicht hin. Kleine Empananda 🥟 am Imbiss kostet schon 3,- €, Pizza inne Pizzeria 15,- €. 
14:30 eingecheckt, 15:00 am Strand ist auch noch früh genug, um ein paar Stunden dort zu verbringen.
 
Ich will ja niemanden langweilen, ABER
... der Strand hier gefällt mir noch besser, als der in Punta del Diablo. Mein Hostel ist keine 5 Minuten vom Strand entfernt und bisher sieht es so aus, als hätte ich mal wieder ein 6-er Zimmer für mich alleine. Und selbst, wenn nicht, hab ich das Gefühl, das das Hostel von mir 'ne 10/10 Bewertung bekommen wird. 
Eigentlich hatte ich ja Uruguay überhaupt nicht auf dem Schirm. Es liegt halt auf der Strecke von Florianópolis 🇧🇷 nach Buenos Aires 🇦🇷, aber es gefällt mir hier immer besser. Allerdings sind mir inzwischen auch noch Ideen gekommen, was ich in Argentinien noch machen will. Also kann ich hier leider nicht ewig bleiben. 

13.4.2026 La Pedrera - La Paloma
Vermutlich war das heute mein letzter Strandtag in Südamerika auf dieser Reise. Da kam ich auf die Idee, 8 km am Strand entlang nach La Paloma zu laufen. Das ging gar nicht mal so einfach, weil der Sand fast nirgends fest war. Einige Badepausen in den hohen Wellen habe ich natürlich gemacht. 
La Paloma ist zwar etwas größer, als La Pedrera, aber mehr los ist dort zur Nebensaison auch nicht. Mit Bus ging es wieder zurück zur Unterkunft, und kurz vor Sonnenuntergang habe ich mich noch ein letztes Mal in die Fluten gestürzt. 

14.4.2026 La Pedrera - Montevideo 
Heute habe ich mich doch mal entschieden, einen frühen Bus zu nehmen. 8:00 losgehen, war OK. Dafür war ich dann schon mittags in Montevideo. Und ein bisschen Schlaf konnte ich im Bus noch nachholen. Ursprünglich war ja für morgen Dauerregen angekündigt und ich dachte, dann kann ich heute die Zeit nutzen, um die Stadt anzuschauen. Allerdings soll es nun morgen wohl doch nicht so schlimm werden. 
Nach 6 Tagen Strand konnte mich so eine Hauptstadt aber verständlicherweise nicht wirklich begeistern. Ist ganz nett und chillig hier, besonders halt das "mediterrane "Flair. 24 Stunden reichen mir dann aber auch und morgen geht es schon weiter. Was auffällt, ist dass hier viele Laubbäume stehen und die tatsächlich jetzt ihre Blätter verlieren, weil es ja Herbst wird. Aber auch mehr Müll liegt auf den Straßen, als im Rest des Landes und mehr Obdachlose. 

15.4.2026 Montevideo - Colonia del Sacramento 
2:20 Stunden Busfahrt waren es heute noch einmal von Montevideo nach Colonia del Sacramento und vermutlich war das meine letzte Fernbus-Fahrt in Südamerika auf dieser Reise. Von hier aus fährt 'ne Fähre nach Buenos Aires über den Rio de la Plata, der einfach mal 50 km breit ist. Freitag früh werde ich wahrscheinlich übersetzen und habe dann noch knapp 1 Woche in Buenos Aires und Tigre. Inzwischen weiß ich schon von 4 Punkkonzerten dort.
Da ich vor ein paar Tagen mal wieder zu viel einheimisches Bargeld aus dem Automaten geholt hatte, weil ich dachte, am Strand bekomme ich keins, hab ich jetzt zu viel davon und bin erst mal zum Hafen, das Fährticket in bar kaufen. Seltsamerweise hat es dadurch nur 32,- € statt online 49,- € gekostet. Naja, ich werde mich nicht darüber beschweren. Vermutlich ist das so, weil ich als weder Argentinier noch Uruguayer keine Steuern auf das Ticket zahlen muss. 
Im Hostel habe ich dafür für 1,- € mehr pro Nacht ein Bett im 4-er statt im 6-er Zimmer gebucht, in der Hoffnung, dass das sonst niemand außer mir macht und ich das Zimmer dadurch wieder für mich alleine habe. Bisher (18:00) sieht's gut aus. [Update: 21:00 habe ich für die beiden nächsten Nächte doch noch eine Mitbewohnerin bekommen. Sie kommt aus St.Petersburg. Zumindest mit der Kommunikation ist das für mich einfacher, als fast alles in den letzten 4 Wochen.]
Zu fragen, ob jemand Englisch spricht, habe ich inzwischen übrigens aufgegeben. In mindestens 90 % der Fälle ist die Antwort sowieso "nein". Also versuche ich mein Anliegen jetzt immer in meinem kaum vorhandenen Spanisch zu klären. Und umso mehr ich es anwende, umso besser wird es.
 
Insgesamt habe ich in Südamerika jetzt über 4000 km zurück gelegt. 2500 km mit Wohnmobil und Kfz, sowie über 1500 km mit Bussen. Auf der Südamerika Karte wirkt das wirklich winzig. In Europa entspräche das der Strecke von Lissabon bis nach Istanbul, also einmal komplett den Kontinent durchquert. Daran merkt man mal wieder, wie klein Europa eigentlich im Vergleich zu anderen Kontinenten ist. 
 
16.4.2026 Colonia del Sacramento 
Ich glaube, nach dem 18 km Spaziergang heute kenne ich hier jede Straße. War aber sehr nice. Am Strand entlang nach Real de San Carlos zur ehemaligen Stierkampf-Arena und durch die Stadt zurück. Es hätte rückzu auch einen Bus gegeben, aber der fuhr nur 1x pro Stunde und natürlich habe ich nur die Rücklichter gesehen. 
 
Überall in der Stadt stehen verlassene Oldtimer rum. Wie in einem großen Open Air Fahrzeug-Museum.
Auf meinem Fährticket für morgen steht, dass ich heute online Check-in machen muss. Da das nicht funktioniert hat, bin ich nochmal extra zum Hafen gelaufen, wo mir gesagt wurde, dass das nur für Bürger Argentiniens und Uruguays geht 🙄. 
So, jetzt folgt die letzte Nacht in Uruguay. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie positiv überrascht ich von diesem Land war!? 

17.4.2026 Colonia del Sacramento 🇺🇾 - Buenos Aires 🇦🇷
Mit der Fähre ging es morgens über den Rio de la Plata rüber nach Argentinien. Der Fluss ist einfach 3 x so breit, wie die Straße von Gibraltar. 
Bei der Einreise nach Argentinien gibt es leider keine Stempel mehr in den Reisepass 😔.
Im Hafen von Buenos Aires gibt es "praktischerweise" auch keinerlei Bankautomaten oder Shops, wo man SIM-Karten kaufen kann. Also musste ich mich erstmal auf die Suche danach machen. Der Kurs von Peso zu Euro ist 1500 : 1. Das lässt sich echt blöd umrechnen. Und der größte Schein ist ein 20.000-er, also gerade mal ca. 15,- € wert. 
Im übrigen ist das hier das erste Land seit wahrscheinlich Jahrzehnten, wo es echt besser ist, Bargeld mitzunehmen und zu tauschen. Ich habe keinen Bankautomaten gefunden, der unter 10 % Gebühren nahm und selbst bei Kartenzahlung in Geschäften gibt es oft deutlich höhere Preise (10 -20 %), als bei Barzahlung. 
Mein Hostel hatte ich im Micro Centro, nicht weit von Hafen und Bahnhof gewählt.
 
Kurz chillen und dann mal erste Schritte einfach der Nase nach durch die City machen. Ist ja riesig alles. Ne Prepaid-Karte für die Öffis hab ich dann auch gleich gekauft und genutzt. 

18.4.2026 Buenos Aires 
Eigentlich wollte ich ein Fahrrad leihen. Aber das System des städtischen Verleihers funktioniert nur mit argentinischer ID. Der nächstgelegene Verleiher will 16,- € für 4 Stunden haben. Vielleicht später. 
 
Da geh' ich doch erstmal 13:00 zum Punkrock Lunch in die "Strummer Bar" im hippen Stadtteil "Palermo". Naja, 13:00 stand auf dem Flyer, Beginn war dann 15:00. Quasi Berliner Verhältnisse. Also bin ich noch 2 Stunden durch Palermo geschlendert. War ganz nice. 
Eintritt zum Konzert war frei und zum Lunch gab es 2 Empanadas 🥟 und ein 473 ml Bier für zusammen 6 Euro. Ansonsten kostet Bier bei Barzahlung 4,-€, bei Kartenzahlung 5,- €. 
4 Bands haben gespielt: 
Besonders letztere haben mich ordentlich überzeugt. 
Eigentlich wollte ich kurz ins Hostel, mich erholen und dann zum nächsten Konzert in den Salon Pueyrredón, der mir in Uruguay empfohlen worden war. Allerdings habe ich rechtzeitig erfahren, dass das dortige Konzert schon ausverkauft ist und mir den Weg gespart. 

19.4.2026 Buenos Aires 
Dadurch war ich heute zeitig fit und 10:30 auf den Beinen zum Recoleta Friedhof, der mir wirklich von jedem*r bisher empfohlen worden war. 
Ja crazy, da haben definitiv einige Leute vergessen, ihr Geld lebend unter die Leute zu werfen und sich lieber posthum Denkmäler bauen lassen. Es sieht eher aus, wie eine Kleinstadt, als wie ein Friedhof. Erinnert sehr an Père Lachaise in Paris, aber nicht ganz so groß und vielfältig. 
 
Hin und zurück ging es quer durch die Stadt mit öffentlichen Bussen. Dabei bekommt man viel zu sehen. Jede der verschiedenen Linien hat entlang der großen Straßen ihre eigenen Haltestellen. Das hat den Vorteil, dass die Busse nicht so oft halten und dadurch schneller voran kommen. Trotzdem ist alle paar Meter eine Haltestelle. Wenn man aber verschiedene Linien nutzen kann und gerade an der "falschen" Haltestelle steht, fährt der Bus einfach vorbei. Außerdem darf man nie vergessen, den Bus ran zu winken, sonst hält er ebenfalls nicht und man darf auf den nächsten warten. An stark frequentierten Stopps bilden sich auch mal lange Schlangen, an die man sich brav anstellen darf. Selbst die Punks stellen sich kurz vor Mitternacht nach dem Konzert brav an. So kann man wenigstens relativ sicher sein, dass wirklich noch was fährt. Google Maps zeigt übrigens mal ausnahmsweise zuverlässig an, wo welcher Bus fährt. Die angezeigten Abfahrtszeiten sind "natürlich" illusorisch. Nicht nur nachts nach dem Konzert wird man im Bus auch noch von Gitarrenmusik unterhalten, niemand ist genervt und selbst der Busfahrer spendet Geld. 
 
Aus dem Reichen-Bezirk Recoleta ging es dann vom Friedhof direkt in's Arbeiterviertel Boca, wo der gleichnamige Fußball Club "Boca Juniors" beheimatet ist, bei dem auch Diego Maradonnas Karriere begann. Gerade heute ist DAS legendäre Stadtderby gegen Rio Plata, allerdings in deren Stadion. Boca hat übrigens 1:0 durch Elfmeter gewonnen. Für "nur" 600,- € hätte ich ein Ticket bekommen können. In der Boca Gegend war allerdings auch mächtig was los und eigentlich hätte ich hier das Spiel auf Leinwand anschauen müssen. Allerdings musste ich schon wieder zum Punkkonzert in die "Strummer Bar". 
Auf dem Weg dorthin bin ich auf Empfehlung auch noch durch die Defensa geschlendert, auf der Sonntags ein mehr als 2 km langer Handwerks-, Kunst- und Trödelmarkt ist. Jeder Stand bietet andere Sachen an. Eine willkommene Abwechslung zu dem typischen Souvenir Trödel sonst in der Stadt. 
Auf jeden Fall war es eine super Idee, am Wochenende nach Buenos Aires zu kommen.
 
Das Konzert Abends war wieder mega. Irgendwie seltsam, dass das Festival auf'n Sonntag war und die Matinee gestern auf'n Samstag. Andersrum wäre für mich logischer. Tja, andere Länder - andere Sitten. 
Start war diesmal sogar fast pünktlich und es war mit ca. 200-300 Leuten voll. Altersdurchschnitt war geschätzt 35 Jahre. Eintritt war, wie oft üblich eine Spende in Form von haltbarem Essen für bedürftige Kinder.
Kaum jemand hat Bier oder andere alkoholische Getränke getrunken. Bei den Preisen von 4,- € kein Wunder. 
Gespielt haben wieder 4 Bands:
"Las Femme Punk" (3/4 Frauen, wer hätte das gedacht bei dem Namen).
"Romanes" (Überraschenderweise keine Ramones Coverband. Ihre 18 Songs haben sie trotzdem in gefühlt 36 Minuten im gleichen Tempo komplett ohne Pause durchgespielt und die U30 Girls in der ersten Reihe konnten alles mitsingen.)
 
"En Bajada" (auch hier war Mitsingen von Anfang an angesagt und sogar Pogo. Aber bei uns würde mensch das wohl auch eher Power Pop als Punk nennen. Gefallen hat's mir trotzdem sehr.)
 
"Shaila" ("HC seit 1994", endlich mal "auf die Fresse"-Punk und die Hälfte des Publikums ist wieder sehr textsicher und am rumspringen.)
Merchandise gab es leider keinen. 
Wie auch gestern werden beim Thema Deutschland immer sofort die "Toten Hosen" erwähnt, die hier echt jeder kennt und mag. Außerdem haben vor ein paar Jahren wohl die "Schwarzen Schafe" hier gespielt, hat mir der Sänger der Metallband "Cielo Negro" erzählt, der mich in Boca angequatscht hatte. 

20.4.2026 Buenos Aires - Tigre
Nach dem ganzen Freizeitstress gestern habe ich heute Buenos Aires zur Erholung verlassen und bin nach dem Frühstück mit der Vorortbahn nach Tigre gefahren. Die bummelt so vor sich hin und braucht für die 30 km über 1 Stunde. Dafür kostet das Ticket umgerechnet nur 0,50 €. Im Zug bekommste von Süßigkeiten über Backwaren und Kreuzworträtsel bis Stirnlampen so ziemlich alles zu kaufen. Kulturprogramm ist natürlich auch inklusive. 
Tigre liegt am Delta des Flusses Parana (ja, genau der mit dem Wasserkraftwerk, wo ich vor 3 Wochen war) in den Fluss Uruguay (das Land Uruguay heißt streng genommen übrigens "Republik östlich des Uruguay" und der Fluss Uruguay ist dementsprechend die westliche Grenze), die sich dann zum Rio Plata vereinigen. 
Ich hatte hier auch einen süßen und preiswerten Campingplatz gefunden, allerdings hat der ausgerechnet Montag und Dienstag geschlossen 🙄. Im Endeffekt habe ich mein Zelt und meine Isomatte also jetzt 5 Wochen komplett umsonst mit mir rumgeschleppt. Obwohl, hätte ich es nicht als backup dabei gehabt, wäre garantiert irgendwo irgendwas mit Unterkünften schief gegangen. In der Hängematte habe ich immerhin 2 x geschlafen. Also habe ich nach 3 Tagen 6-er Zimmer jetzt 2 Tage ein Luxus-Doppelzimmer für mich alleine gebucht. 
Der Plan war, heute eine Bootstour zu machen und morgen ein Kajak auszuleihen. Letzteres geht aber leider nur im Rahmen einer geführten Tour, welche immer den gleichen Preis hat, egal wie viele Leute. Macht für mich alleine also wenig Sinn. Nach der Bootstour war mir aber auch klar, dass man bestimmte Wasserstraßen lieber meiden sollte, solche Wellen, wie die hier machen. 
 
Nach einem kurzen Stadterkundungs-Spaziergang hatte ich die Bootstour, die in den Sonnenuntergang geht ausgesucht. Weil das Wetter nicht so prall war, war ich der einzige Gast in einem Boot, wo locker 200 Sitzplätze waren. Eigentlich dachte ich, dass zum Sonnenuntergang Tiere raus kommen, aber dazu war die Gegend viel zu bewohnt.
 
Hat sich trotzdem gelohnt. Der Vergleich mit dem Spreewald, den Marko gemacht hatte, hinkt gewaltig. Mit dem Donaudelta, wo ich 2021 war, kann man es durchaus vergleichen. Allerdings scheint es hier schwieriger, als Tourist so tief in's Delta einzutauchen, wie in Rumänien. 

21.4.2026 Tigre
Da ich ja kein Kajak bekam, habe ich nochmal eine Tour mit Motorboot durch das Delta gemacht. Diesmal mit einem kleinen für 15 Personen, welches auch durch kleinere Wasserstraßen fuhr. Hat mir sehr gefallen, auch wenn es gerade mal 7 km in's Delta hinein ging. Insgesamt ergießt sich der Rio Parana auf einer Breite von 100 km in den Rio Uruguay.
Im Boot saß außerdem eine Familie aus Chile, die sich sehr gefreut hat, endlich mal ihre Englisch-Kenntnisse anwenden zu können. Überhaupt kommt hier im Großraum Buenos Aires auf die Frage, ob das Gegenüber englisch spricht sogar häufiger die Antwort "so - so" und deren Englisch ist dann meist zumindest besser, als mein Spanisch. 

22.4.2026 Buenos Aires - Bad Religion Konzert

Irgendwann vor ein paar Wochen in Berlin erzählte jemand im Proberaum das Gerücht, dass "Bad Religion" im Sommer in Berlin spielen würden. Kurz gegoogelt, (noch) nix dergleichen gefunden, aber gesehen, dass sie an meinem letzten Abend in Buenos Aires (also heute) spielen. Na da war ja klar, dass ich da hin muss.
Noch zu Schulzeiten (wahrscheinlich um 1993) hatte mir Mitschüler Martin R. 2 Alben auf Kassette überspielt. Das müssten "No Control" und "Generator" gewesen sein. Ich wage zu behaupten, dass das vielleicht meine ersten englischsprachigen Punktapes waren, noch vor Sex Pistols oder Ramones. Vorher hatte ich eigentlich ausschließlich Deutschpunk gehört. (Ja, Papaschlumpf erzählt wieder Geschichten aus dem letzten Jahrtausend). Live hatte ich Bad Religion bisher noch nie gesehen. Mit 78,86 € war das übrigens wahrscheinlich das teuerste Konzert einer einzelnen Band, welches ich bisher in meinem Leben besucht habe.
Also bin ich heute gegen Mittag mit der Vorortbahn zurück von Tigre nach Buenos Aires gefahren und habe im gleichen Hostel eingecheckt wie am Wochenende. Nach einem kurzen Powernap bin ich dann mit Bus weit über 1 Stunde (Google hatte gesagt 33 Minuten) 13 km durch den abendlichen Berufsverkehr zum Malvinas-Stadion gefahren.
Apropos "Malvinas": das ist der argentinische Name für die Falkland-Inseln. Und das Thema, dass die zu Argentinien gehören ist hier ständig präsent und wichtig, obwohl die aus meiner naiven Sicht verdammt weit weg und außerdem total unwichtig sind (gleiches gilt natürlich für die Ansprüche durch Großbritannien genauso). Aber irgendein nationalistisches Thema braucht ja jedes Volk.
Zurück zum "Bad Religion" Konzert: die Halle soll angeblich bis zu 10.000 Leute fassen, die Max-Schmeling-Halle in Berlin 12.000. Letztere kommt mir aber weeeesentlich größer vor, als diese hier. Ich war allerdings auch ewig nicht mehr dort. Mein Ticket war glücklicherweise für's Innenfeld gültig. Bier für 5,- € war eigentlich ok, aber ich wollte einen klaren Kopf für die Heimfahrt durch's nächtliche Buenos Aires bewahren. Trinkwasser wurde kostenlos bereit gestellt. Bad Religion Shirts gingen bei 29,- € los, was ja heutzutage bei großen Bands normal ist. Dem Eintrittspreis und der Band entsprechend war der Altersdurchschnitt unwesentlich unter meinem Alter. Und die Halle war nicht ganz ausverkauft, was das Durchkommen sehr entspannt machte.
Pünktlich 19:50 betraten "Shaila", die ich ja schon Sonntag gesehen hatte, die Bühne. Zwar ging es sofort mit Circle Pit los, aber ganz hat die Power nicht bis zum Ende von deren Set gehalten. Im kleinen Club kam die Energie deutlich besser rüber. Wenn ich die Videos auf der Leinwand nicht komplett falsch gedeutet habe, waren die Aussagen sehr politisch, vor allem pro Anarchie und contra USA und die von ihnen heute und früher unterstützten Regimes in Lateinamerika.
20:40 begannen "Eterna Inocencia". Die sollen wohl auch in gesamt Lateinamerika eine angesagt Nummer sein. Sie glänzten vor allem durch viele Chöre, die insbesondere von den ca. 10 - 20 % weiblichen Fans begeistert mitgesungen wurden (und durch das St. Pauli Shirt des Sängers).

Bad Religion haben dann 24 Songs in 100 Minuten ohne blödes Gequatsche dazwischen durchgespielt. Da ich die Alben nach 1996 kaum verfolgt habe, war für mich vieles "neumodischer Kram", aber ab der Hälfte war ich ganz vorne mit im Pogo dabei. Und spätestens bei "Punkrocksong" war ich überglücklich. Ich hatte vorher Setlisten von anderen Konzerten in diesem Jahr gegoogelt und da stand der nicht drauf. Umso mehr habe ich mich gefreut,  dass er dich gespielt wurde. Ansonsten unterschied sich das heutige Set (Liste gibt es hier) nicht groß, von den gegoogelten. Aber warum sollte man auch ein funktionierendes Konzept ändern?
Das Konzept von Zugaben scheint hier nicht so bekannt zu sein. Die Band ging irgendwann von der Bühne und alle warteten ruhig ab, dass sie wiederkommen, was sie dann gnädiger Weise auch taten.
Vor der Halle gab es dann viele fliegende Händler mit inoffiziellen DIY- Bad Religion Shirts und ich habe  nach dem Konzert direkt ohne dass ich ihn gesucht hätte, einen Sammeltransporter gefunden, der mich für 6,50 € in gerade mal 20 Minuten fast direkt zum Hostel brachte. Zum Glück hatte ich vor dem Konzert nochmal 10,-€ in Peso getauscht für irgendwelche Eventualitäten. Über den nächtlichen Rückweg hatte ich mir vorher wirklich viele Gedanken gemacht und jetzt lief es wie von selbst. 

23.4.2026 Buenos Aires 
6 - 7 Stunden hatte ich nach dem check-out aus dem Hostel noch zu überbrücken, bis ich mich auf den Weg zum Flughafen machen wollte.

Zuerst führte mich mein Weg in "El Ateneo Grande Splendid". Dies ist eine Buchhandlung, die sich in einem ehemaligen klassischen Theater befindet. So mit Bühne und Rängen. Und überall sind Bücherregale. Sehr nobel und sehenswert. 

Gleich um die Ecke befindet sich die Galeria "Bond Street". Dies ist ein dreistöckigen Kaufhaus, in dem sich ausschließlich Geschäfte für Punk-, Metall-, Gothic- und Skater-Bedarf befinden sowie unzählige Tattoo- und Piercing-Studios. Ein Besuch hier lohnt sich ebenso.
Ey, die Stadt hat mir ordentlich gefallen, was ich anfangs kaum gedacht hätte, alle ich bei der Einfahrt in den Hafen die ganzen Hochhäuser erblickt hatte. Bestimmt lag es hauptsächlich an den Konzerten und den Leuten, die ich dort getroffen habe. Aber auch Palermo, Boca und vieles andere gefiel mir sehr gut. Es gibt viele Parks und Plätze, wo ich heute noch so einige Zeit gechillt habe. Unterwegs im Bus merke ich immer wieder, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt und ich kann mir gut vorstellen, mal wieder her zu kommen. 
Da der öffentliche Nahverkehr hauptsächlich auf Bussen basiert, stößt er natürlich voll an seine Grenzen. Das nervt gewaltig. Auch der Flughafen ist mal wieder nur mit Bus zu erreichen (wie auch schon in Marrakesch, Baku, Goa - Dabolim, ... 🙄). Die Fahrt dorthin dauert auch ohne Stau mit dem Express-Bus mal eben über 1 Stunde. Warum bitte "vergisst" man die Anbindung per Bahn?
Na jedenfalls war es mal wieder eine richtig gute Reise und ich würde alles genauso wieder machen. Besonderen Dank natürlich an Oli und vor allem Marko.  
¡Buenas noches y hasta la vista, Sudamérica!


Kosten
Dass es die mit Abstand teuerste Reise meines Sabbaticals werden würde, war schon vorher klar. Alleine die Flüge haben ziemlich genau 1200,- € gekostet und ein Wohnmobil zu mieten ist natürlich auch nicht umsonst.
Auch die Kosten für Unterkünfte und Verpflegung unterschieden sich nicht groß von denen in Deutschland. Wobei die Einheimischen vermutlich deutlich weniger verdienen, als wir. Lediglich Rindfleisch ist überall unvernünftig billig. 
Ein Bett im Mehrpersonen-Schlafraum hat meist 15,- US-$, also ca. 13,- € gekostet, aber ich hatte auch oft teurere Einzelzimmer.
Insgesamt habe ich in den 5 Wochen ziemlich genau 3500,- € ausgegeben, 
davon ca. 2232,- € für folgende Fahrtkosten:
1200,00 € Flüge
  600,00 € Wohnmobil Mieten
  162,00 € Diesel
    20,00 € Mautgebühren 
    38,00 € Uber in Florianópolis 
  100,00 € Busse in Brasilien (aus Versehen hatte ich 1 x Business Class für 74,50 € statt normal 42,00 € gebucht)
    64,50 € insgesamt Uruguay Busse
    32,00 € Fähre Montevideo - Buenos Aires 
    15,50 € Öffis Buenos Aires

Mit Kanu 🛶 und Rad 🚵 durch Mitteleuropa 🇨🇿 🇦🇹 🇸🇮 🇭🇷 🇭🇺 🇸🇰 - Juni 2026

Na gut, eine Reise hab ich dann doch noch (oder vielleicht auch noch 1-2 mehr).  Eigentlich wollte ich jetzt den Rest meines Sabbaticals...